Donnerstag, 30. April 2015

Guiyang

Die Hauptstadt von Guizhou dient uns als Sprungbrett in den12-h-Übernachtzug, Hard Sleeper, heute abend nach Nanning. Aus technischen Gründen mussten wir am Vortag schon anreisen, mit wenig Lust auf eine weitere laute, versmogte, hochhausverbaute Millionenstadt (nur gut 1 Million diesmal) - wir wurden überrascht, nach einem etwas holperigen chinesischen Abholungsprozess via sms - die (neue und einzige der Stadt und gar nicht im Reiseführer aufgeführte) YHA-Herberge liegt am Stadtrand in einer Art Naherholungsgebiet und das Zimmer ist wirklich top Qualität - wir verbringen den Tag bis zur Abfahrt fahrradfahrend und im Schatten lesend am Fluss mit Bergen im Hintergrund. Überall sehr gepfegte Blumenbeete, jeweils fünf billige Arbeitskräfte jäten das Unkraut! Auf der anderen Seite aber expandiert die Stadt weiter mit den Hochhäusern, die hier die Menschenmassen aufnehmen müssen. Dennoch hat sich die Abkürzung durch Guizhou gelohnt: Schon seit Chishui zwitschern auch wieder Vögel jeden Morgen! Schon die Anfahrt in diese Stadt war Sightseeing vom feinsten in einem tollen, bequemen Bus mit ganz viel Blick nach draussen auf ansehnliche Natur- und später landwirtschaftliche Flächen einem bedachten Fahrer, freien Strassen und einigen Podcasts wäre ich trotz 8h fast gerne noch weitergefahren!

Dienstag, 28. April 2015

If you can make it here, you make it everywhere!

Ich möchte noch mal darauf hinweisen, dass hier in Chishui nun wirklich
niemand mehr des Englischen fähig ist.
Ich denke über einen Berufswechsel zur Pantomimin nach oder das Erlernen
von Zeichensprache. Inzwischen habe ich den Baidu-Translator und die
chinesische SIM-Karte auf dem Tablet etabliert und es ergeben sich ganz
neue Kommunikationsformen, beispielsweise steht man nicht mehr einander
zugewandt, sondern Schulter an Schulter nebeneinander, so dass man gut
auf den Bildschirm des anderen schauen kann, und schweigend tippt man
Sätze ein, wobei dennoch 2/3 Ausschussware sind.
Irgendwie doch ganz gut, bald wieder auf den "beaten track" nach Guilin
zu kommen. Oh wie schade, was wir alles verpassen in diesem Land. Vor
allem die Pandas in den Brutkästen von Chengdu!

Fotos Chishui II

Die Dinger im letzten Eintrag sind Bambus-Schößlinge...

Fotos Chishui I

So sieht es aus:

Einst streifte der große Panda durch die Bambuswälder von Chishui

Wir sind nach Süden abgebogen - nun "way off the beaten track"!

Und haben außergewöhnliches vollbracht! Wir waren in der Natur! Und zwar fast alleine! Und es war richtig schön!

Diese Gegend nennt sich das "Land der tausend Wasserfälle", tatsächlich sind es wohl über viertausend. Es ist bergig und grün und warm und feucht. Berühmt sind Kliffe aus rotem Sandstein, die vielen Flussläufe mit ihren Wasserfällen in den Sandsteinverwerfungen, due Bambuswälder und Baumfarne, einer davon ein "lebendes Fossil", Alsophila soundso.

Wir haben uns ein Auto mit Fahrerin (!) organisiert und sind zu drei "scenic areas" gefahren. Keine Sorge, nirgends geht man Waldpfade entlang, überall hat man befestigte Pfade und Treppen und häufig steht sogar ein Schild dort, wo man die schönste Fotoeinstellung hinbekommt. Und an jedem Punkt haben wir Eintritt bezahlt, wie überall hier, insgesamt  Aber gerade der erste Punkt, Shizanggou oder "Chishui Waterfall" hat sich sehr gelohnt. Es waren, trotz 5 davor geparkter Touristenbus Menschen unterwegs. Während sich die meisten mit einem so einer Art Golfwagen für 10 Personen zu dem Hauptwasserfall fahren lassen, sind wir die 2,2 km gelaufen, auf einem schönen Weg, halb überhangen von Sandsteinvorsprüngen, von denen das Wasser tropfte und rann. Zur linken unter uns verlief immer der Fluss und wir liefen zwischen Bambushainen, begleitet von Schmetterlingen und ungewöhnlichen Vögeln, durch den Primärwald zu einem sehr schönen großen Wasserfall (nicht auf dem Bild - das war nur der erste, kleinere). Wir trafen ein paar Chinesen, aber nur ganz kleine Gruppen ohne den obligatorischen Führer mit dem Mikrofon und dem Lautsprecher am Gürtel. Es war wirklich sehr schön.

Danach guckten wir uns noch eine Sandsteinformation mit Honigwabenstruktur an, aber als alte Elbsandsteinerin kenne ich das ja längst. Nur die rote Farbe war hier toll. Der Name des Ortes, den keiner versteht, wenn wir ihn aussprechen (Chishui - auf die Tonalität kommt es an!!!), heißt "rotes Wasser".

Der dritte Naturpark ist schon kaum noch berichtenswert, mehr Wasserfälle, man kann sogar hinter einem hindurchgehen - der Wasserlauf wurde auch nur minimal dafur modifiziert - aber die ausgedehnten Bambuswälder sind toll luftig und gleichzeitig schattig, die Luftfeuchtigkeit ist hoch, es ist aber nie zu warm und ab und zu kann man sich von einem vom Sandstein über uns hinabfallenden Miniwasserfall den Kopf kühlen lassen.

Durch solche Bambuswälder muss einst der große Panda gestreift sein! Das dachte ich die ganze Zeit, und während ich dies schreibe, liest Daniela aus Wikipedia vor: Tatsächlich leben sie eigentlich nördlich, in Sichuan, Shaanxi und Gansu. Wir grenzen hier in Guizhou aber an Sichuan, auf der anderen Flusseite ist diese Provinz schon, und es leben wohl noch 1000 Exemplare des großen Pandas... Somit bleibe ich dabei: Einst streifte der Panda durch die Bambuswälder von Chishui...

Hot pot

Lange haben wir uns davor gescheut, gestern in Chishui gab es aber keinerlei anderes Restaurant... Es istblaut, gesellig, heiß, man sitzt um den heißen Topf herum, im Tisch ein Gasherd, da kocht eine Suppe drin, einmal scharf, einmal normal, dann köchelt man Aufgespießtes darin oder schmeisst das Zeug einfach rein und fischt es mit Stäbchen und Kelle wieder heraus. Dann tunkt man noch in eine herrliche Sauce, welche uns der Lokalbesitzer eigens aus Sesamöl, Koriander, Fruhlingszwiebel, Salz, Natriumglutamat und viel Knoblauch zusammengemixt hat (wir wussten ja zunachst nichts mit dem Schälchen Öl anzufangen). Es war sehr "hot" - in jeglichem Sinne hab ich mir die Mundschleimhäute weggeätzt! Aber man kann super auswählen, welches GEMÜSE man will, das Hirnchen haben wir nicht probiert!

Yangtse und der Drei-Schluchten-Staudamm

Unser ambitionierter Plan, welchen wir irgendwann unterwegs in Peking entwickelten, bestand darin, uns südwestwärts zu bewegen mit Endziel Hongkong, von wo aus unsere Flieger in verschiedene Richtungen gehen.
Südwärts ging es nach Nanjing, dann über die gelben Berge, von dort aus wollten wir zum Yangtse und diesen ein Stück stromaufwärts reisen und noch die engen Schluchten der "Three little gorges" besuchen. Danach wollten wir noch in das von allen Touristen hochgelobte Yunnan und dann wieder südöstlich in die Karstlandschaften von Guilin, wo wir schon vorreserviert haben. Am 1. Mai ist hier nämlich grosser Feiertag und alle 1,3 Milliarden Chinesen reisen mal wieder herum.
Ursprünglich lag auch noch Chengdu in der Provinz Sechuan auf dem Plan, dort wollte ich unbedingt Pandas im Brutkasten anglotzen, aber daraus wird nichts mehr, ebenso streichen wir Yunnan. Dazu aber später mehr.

Mit der Bahn landen wir und gefühlte tausend weitere Passagiere abends in Yichang. Leider gibt es keine Metro. Da ja im ganzen Lande die Infrastruktur noch nicht alt ist, Funktioniert diese nämlich immer gleich. Metro können wir schon ruchtig gut. Mit Taxi gelangen wir wieder in ein gutes Hostel. Man spricht kaum englisch, ist aber bemüht. Wir schaffen noch nachts, ein Tourustenboot über den Yangtse für den kommenden Morgen zu organisieren. Eine viertägige Kreuzfahrt wollen wir nicht, weder im westlichen Boot für 500 Euro noch chinesisch in der 4-Bett-Kabine.

Diese Bootsfahrt bietet wieder lustiges Chinesen-Watching. Das Schiff ist neu und ordentlich da erst ein Monat im Einsatz. Leider läuft permanent Musik, unterbrochen von Ansagen. Wir fühlen uns gefoltert, uch muss immer an die Szene von "1,2,3" denken. Wir buchen noch einen Miniausflug in eine Unterschlucht dazu, der uns vorher verschwiegen wurde. Nunja es lief wohl Werbung dafür die ganze Zeit. Nochmal fünfzehn Euro drauf, aber besser als zwei Stunden auf dem Schiff warten! An den kleinen Booten ist ebenfalks Massenbetrieb. Aber sue halten genau fünfzig meter Abstand voneinander. Wieder wird 90 Minuten auf uns eingeredet. Es kann nicht interessant sein. Es geht sicher nicht um die Geologie des Ortes oder das Ökosystem oder darum, was der Aufstau an der gigantischen Staumauer verursacht hat. Ein Glück müssen wir keinem englischen Guide mit Headset und umgehängten Lautsprecher folgen! Vermutlich werden blumig die Namen der Berge drumherum ausgemalt. Bei der Rückfahrt gibt es noch Dinge zu kaufen. Die Chinesen sitzen drinnen, wir als einzige draussen.

Die Natur selbst ist beeidruckend - könnt ihr nicht einmal still sein und genießen!?

Nach 8h Fahrt gelangen wir an unsere Zielort Wushan und brechen wir den Yangtse ab, schaffen auf wundersame Weise noch die Weiterfahrt im Bus und inkl. letzter Ubahn um 23;00 landen wir in der nächsten Millionenmetropole: Chongqing!

PS: Unser Schiff legte in Wushan an diesen beiden Booten an, wir gelangten durch diese an Land. Grössenmässig war unseres etwa wie das Schiff im Vordergrund, nur ohne Kabinen. Die kleinen Boote sind die Ausflugsboote.